Seit 1420 war das Schloss der Amtssitz der abwechselnd von Lübeck und Hamburg hierher abgeordneten "Verwaltungsleuten",
denn das waren dann die sog. beiderstädtischen Amtsverwalter auf Schloss Bergedorf. Bergedorfs älteste bildhafte Darstellung,
die Frese-Karte von 1593, dokumentiert die örtliche Situation und die Lage des von Wassergräben umflossenen Amtssitzes sehr deutlich!
Bergedorfs erste Stadtansicht  die sog. Frese-Karte (1593)
Der Grund, weshalb die Karten angefertigt wurden, ist vermutlich die Tatsache, dass in der Zeit kurz vor 1600 die Städte eine Änderung der Verwaltung planten. Ratsmitglieder aus Lübeck und Hamburg waren nicht mehr bereit, zu den alten Bedingungen den Posten als "Amtmann" zu übernehmen, da die Einkünfte aus dem Amt sehr zurückgegangen waren.1620 wurde der erste beamtete "Amtsverwalter" auf Haus Bergedorf eingesetzt. Es war Hermann Schuldorf, dessen Grabstein noch heute an der Bergedorfer Kirche steht. Zuerst wurde in kurzen Abständen gewechselt; später wurde der Posten auf Lebenszeit vergeben!

In den sog. Befreiungskriegen 1813-15 war das Schloss zuerst von französischen und später von russischen Truppen als Lazarett benutzt worden. Die gesamten Räume waren aber stark mitgenommen, so dass im Hamburger und Lübecker Senat die Ansicht vertreten wurde, das Schloss wegen der hohen Renovierungskosten verfallen zu lassen. Nur Dr. Lindenberg setzte sich dafür ein, das Schloss, die "alte ehrwürdige Wasserburg", wie er es nannte, wieder herzustellen. 1815 wurde Nicolaus Daniel Hinsche zum Ratmann und 1828 zum Bürgermeister Bergedorfs gewählt. Während der Amtszeit von Dr. Lindenberg und Hinsch wurde in Bergedorf wieder eine kleine Garnison errichtet (1817), die aus einem Sergeanten, drei Korporalen und 12 Mann bestand, das "stärkste Militär der Welt", wie einer der Soldaten einmal humorvoll erklärte: "Denn in der Bibel steht: Niemand kann zweien Herren dienen. Wir (Bergedorfer) aber dienen dreien: Hamburg, Lübeck und Bergedorf."
Stadtsoldaten
Dem Amtsverwalter Dr. Lindenberg folgte 1851 der Hamburger Daniel Theodor Kaufmann, der 1875 als letzter Amtsverwalter seinen Wohnsitz im Schloss aufgab. Nachfolger des Bürgermeisters Hinsche wurde 1848 Dr. Piet Lamprecht, der sein Amt bis 1874 verwaltete.

 

Ab 1868 in Hamburger Alleinbesitz

Am 8. August 1867 wurde zwischen Hamburg und Lübeck der Vertrag geschlossen, durch den das Amt Bergedorf am 1. Januar 1868 in den Alleinbesitz Hamburgs kam. Am 1. Januar 1873 traten die für das frühere Amt Bergedorf, der nunmehrigen Landherrenschaft, durch die hamburgische Gesetzgebung beschlossenen neuen Verwaltungsvorschriften in Kraft. Für Bergedorf wurde ein Gemeindestatut entworfen, das am 20. Mai 1874 vom Senat genehmickt und am 15. April 1874 veröffentlicht wurde. Bergedorf, bisher "Städtchen", war nun amtlich eine "Stadt". Die städtische Gemeinde wurde durch den Magistrat und die Bürgervertretung repräsentiert. Der Magistrat bestand zu der Zeit aus einem rechtsgelehrten Bürgermeister, durch die Bürgervertretung auf Lebenszeit gewählt, und zwei Ratmännern, die von demselben Gremium für 12 Jahre bestimmt wurden. Zur Hamburger Bürgerschaft entsandte Bergedorf einen Vertreter.

Nach Dr. Lamprecht trat Bürgermeister C. von Clansowitz an seine Stelle, der bereits im folgenden Jahr zurücktrat, um bei der Hamburger Polizeibehörde als Rat einzutreten. 1876 wurde Dr. Heinrich von Oldenburg zum Bürgermeister gewählt, der sein Amt bis 1881 versah. Dr. Ernst Mantius, 1838 in Schwerin geboren, wurde 1882 zum Bürgermeister Bergedorfs gewählt.
Karte
Bergedorfer Schloss
Nach 15-jähriger Tätigkeit starb Dr. Mantius am 15. Oktober 1897. Dr. Hans M. D. Lange, der im folgenden Jahr zum Bürgermeister gewählt wurde, setzte sein Werk fort. 1913 starb er, und Ratmann F. Meyns übernahm als Stellvertreter das Bürgermeisteramt. 1914 wurde Dr. Paul Walli, Beigeordneter der Stadtverwaltung Mülheim, zum Bürgermeister gewählt.

Postkarte

Im Jahre 1880 befanden sich im Bergedorfer Schloss z.B.: das Büro der Landherrenschaft, der Polizei-Officiant, das Amtsgericht Hamburg-Bergedorf. Die eigentliche Verwaltung der Landherrenschaft fand aber in Hamburg, im Büro St. Annenplatz 1, statt.
Landherren waren damals die Senatoren Großmann und de Chapeaurouge.
Zu der Landherrenschaft Bergedorf gehörten Bergedorf, die Vierlande (mit Neuengamme, Kirchwärder, Altengamme und Curslack) die Gemeinde Ost-Kraul und die Dorfschaft Geesthacht; insgesamt waren es 13.688 Einwohner.
Mobiliar

1927 erhielt Bergedorf sein eigenes Rathaus in Wentorfer Straße 38; vorher waren einige Dienststellen schon in das spätere Schulgebäude Wentorfer Straße / Gräpelweg (siehe Foto) gezogen und seit 1927 gab es den Neubau von Finanzamt und Justiz in der Ernst-Mantius-Straße.
Wentorfer Straße
Laut einem Bergedorfer Adressbuch von 1937 befanden sich im Schloss verschiedene Polizeiabteilungen. Hier waren der Bergedorfer Sitz der "Polizeibehörde Hamburg / Dienststelle Bergedorf-Geesthacht" der Schutz-, Staats-, Kriminal- und Verwaltungspolizei.


Die Zeit nach 1945

Als nach Kriegsende die Polizei ausgezogen war und ab 1945/47 wieder die ersten ausgelagerten Bestände der Heimatsammlung zurück ins Schloss kamen, waren in weiteren Räumen u.a. untergebracht: die Gärtner des Bezirksamtes (Abt. Schlossgarten und Umgebung), die Genealogische Gesellschaft Bergedorf und die öffentliche Nähstube sowie im Dachgeschoss der Hausmeister.
Im Sommer 1955 wurde dann in der ersten Etage das "Museum für Bergedorf und die Vierlande" eröffnet. Nach der Verlegung der Gärtner zum Stützpunkt am Alten Friedhof (um 1970) erhielt das Museum weitere Räume im Erdgeschoss. Der Eingang zum Museum erreichte man noch einige Zeit über den Treppenaufgang im Rundturm - heute über den Innenhof.
Bergedorfer Schloss

 

 

 

 

Eine Seite des Bergedorfer Bürgervereins von 1847 e.V.