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Auch so kann eine Geschichte beginnen.
Es war im Jahre 1959, da gab es nach über 40 Jahren erstmals wieder
"Bergedorfer-Lager-Beer" aus Anlass der Eröffnungsfeier
des neu errichteten historischen Gasthofes "Stadt Hamburg".
Es ist tatsächlich ein Wunder gewesen, denn der Holsten-Brauerei
war es möglich, für diesen Tag einige Kisten ihres "Bergedorf-Beer"
zur Verfügung zu stellen. Jeder unbelastete Leser wird sagen, das
sei doch für eine Brauerei kein Problem, einige Kisten Bier anzubieten.
Das Problem lag auch darin, dass das "Bergedorf Beer" damals
von der Brauerei vertragsgemäß nur an die Westküste Afrikas
exportiert wurde.
Aber trotzdem kamen die Bergedorfer in den letzten Jahren (z.B. 1993,
2002) desöfteren in den Genuss vom Bergedorf Beer. So
wurde es unter anderem bei einigen besonderen Veranstaltungen im Museum
ausgegeben. Mal waren es einige Flaschen, mal kleine oder größere
Dosen, mal waren es Importe, mal direkte Auslieferungen; dann erworben
über die HGI der Holsten-Brauerei AG(Hanseatische Getränke Industrie).
Seit Mai 2010 ist es vertraglich geregelt: Bergedorf Beer
kann jetzt exklusiv bei Veranstaltungen im Museum für Bergedorf
und die Vierlande ausgeschenkt werden - und das in Originalgläsern!
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Aber wie kam es dazu?
Im Städtchen Bergedorf wurde schon seit Jahrhunderten Bier gebraut:
Acht Brauer gründeten 1608 eine Brauerbrüderschaft. Sie erhielten
im Jahre 1622 ihre Zunftsatzung und waren damit als Bergedorfer Innung
vom Amt und von der Stadtverwaltung anerkannt. Man braute hier ein leichtes
Bier. Die beiden größten Brauhäuser Peters und Lodde lagen
an der Ecke Sachsentor / Hude, neben dem Blickgraben, der sie auch reichlich
mit Brauwasser versorgte. Auch für viele andere Häuser war eine
Braugerechtsame eingetragen. Die Brauer achteten darauf, dass kein auswärtiges
Bier nach Bergedorf und die Vierlande kam. So gab es Anfang des 19. Jahrhunderts
noch acht Brauhäuser im Ort.
Der Geschmack des Publikums änderte sich. Böhmisches
(sog. Pilsener) und bayrisches (durchweg Münchner) Bier fanden immer
mehr Liebhaber im norddeutschen Raum. Dadurch angeregt beschlossen einige
Bergedorfer und Hamburger Geschäftsleute, hier am Ort eine größere
Brauerei zu gründen.
Im Archiv des Bergedorfer Museums befindet sich ein so
genanntes "Subskriptions-Formular" vom 7. Juli 1863. Dieses
Formular ist von C. M. Ed, dem Herausgeber der damaligen Eisenbahnzeitung,
unterzeichnet und lautet:
„Die Herren Directoren der Bergedorfer Action-Bierbrauerei ersuche
ich Endes unterschriebener mir zehn Stück Actien à 100 Thl.
Pr. zu reservieren und unterwerfe ich mich den Gesellschaftsstatuten und
Zeichnungsbedingungen."
Außerdem gaben die Brauerei-Gründer eine kleine Druckschrift
heraus: "Einladung zur Betheiligung bei dem Actien-Unternehmen behufs
Errichtung, und Betreibung einer Bairischen Bierbrauerei zu Bergedorf
bei Hamburg."

Diese, im Juni 1863 in Hamburg verfasst und herausgegeben, erläutert
im Prospekt die Nützlichkeit eines solchen Unternehmens sowohl für
die Biertrinker als auch besonders für die Aktionäre. Um zu
beweisen, dass die Gründer der Aktiengesellschaft alle Möglichkeiten
genau überprüft haben, beantworten sie einige Fragen, die von
späteren Aktionären gestellt worden könnten, wie folgt:
"Frage: In welchem Verhältnis stehen die Gesamtkosten der Brauerei
zu dem erzeugten Quantum und dem Absatz desselben?
Antwort: Zur Erledigung dieser Frage weisen wir darauf hin, dass wir es
uns zur Aufgabe gestellt haben und stellen, die Kosten des Unternehmens
genauestens zu überwachen. Die Ländereien sind uns äußerst
preiswert an die Hand gegeben. Und die Baulichkeiten werden zweckentsprechend
und solide, aber ohne jeden Luxus erstellt werden. Eine gute Garantie
für das gute Gelingen des Geschäfts liegt ferner darin, dass
sowohl der Braumeister als auch der kaufmännische Geschäftsführer
nur geringes Gehalt, aber gute Tantiemen beziehen. So befördern sie
ihr eigenes Wohl, indem sie den Nutzen für die Actionäre erhöhen".

Es wurden viele Aktien verkauft, und die Brauerei florierte ab 1863/64
durch Jahrzehnte hindurch. 1874 schloss man sich mit der Vereinsbrauerei
der Hamburg-Altonaer Gastwirte zusammen, die als „Vereinsbrauerei
Bergedorf" 1914 von der Holsten-Brauerei übernommen wurde. Dass
viel für den Export produziert wurde, zeigt ein Foto von 1884. So
sind die Braumeister, Braugesellen und Hilfsleute der Bergedorfer Vereins-Brauerei
vor versandfertig gepackten Bierkisten zu sehen. Die Flaschen wurden damals
mit dünnen Strohmatten umwickelt und sorgfältig in Holzkisten
verpackt, damit sie die weiten Schiffsreisen nach Übersee „heil
überstanden".
Wie schon eingangs erwähnt, wird das „Bergedorfer-Lager-Beer",
wie es auf dem Etikett und Dosenaufdruck heißt, weiterhin von der
Holsten-Brauerei Hamburg als Export-Bier und in Nigeria, seit 1985 über
Lizenzpartner, hergestellt. Seit Oktober 1992 gibt es dort auch neu den
Malztrunk „Bergedorf Malta". Das noch heute verwendete Bierflaschen-Etikett
weist werbend auf die vielen Preise hin, die das „Bergedorfer Lager-Beer"
im 19. Jahrhundert erhalten hat.
Und was bleibt uns Bergedorfern als Erinnerung an unser
weltweit hier ehemals produziertes "Bergedorf-Beer", nachdem
im Dezember 1965 das alte Brauereihaus auf dem Hundebaum niederbrannte?
Einmal haben wir noch die neben der Bille liegenden „Brauereiteiche"
an der Chrysanderstraße, auf denen die Brauerei einst ihr Natureis
für die Lagerhalle gewann. Zum anderen sind noch im Berg gegenüber
den Teichen die „Brauereikeller" erhalten, die seit Jahren
zum Teil als Garagen genutzt werden.
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