Grabstein von 1420
Der Dietrich-Schreyge-Stein

Im Innenhof des Bergedorfer Schlosses steht der sog. Schreyge-Stein (hier als Kopie). Er erinnert an die Eroberung des Bergedorfer Schlosses im Jahre 1420 durch die beiden Städte Lübeck und Hamburg. Er gilt als der älteste Grabstein Hamburgs und hat eine bewegte Geschichte!

Einst stand der hohe Grabstein auf dem Bergedorfer Friedhof bei der St. Petri und Pauli-Kirche. Ende der dreißiger Jahre des 19. Jh, bei Aufräumung des Platzes fand man ihn wieder - neben anderen Steinen - im Boden versackt, den Schreyge-Stein. An der Darstellung des figürlichen Schmucks und an der niederdeutschen Inschrift erkannte Bürgermeister Daniel Hirische damals sofort das hohe Alter des Steines. Es dauerte dann aber immerhin noch 25 Jahre bis man die Inschrift richtig deuten konnte! Hinsche ließ den Stein gegenüber neben der Kirche auf dem ehemaligen Kirchhof aufstellen. Wenige Jahre später wurde er auf Veranlassung des Kirchenvorstehers Ratmann Soltau in den Anbau der Kirche gebracht, um ihn vor weiterer Verwitterung zu schützen, da er nur eine Stärke von 14 cm hatte bei 57 cm Breite und 1,60 in Höhe. Auf Veranlassung der Museumskommission des Bergedorfer Bürgervereins wurden 1911 die - heute noch an der Kirche stehenden - vier geschichtlichen Grabsteine an der Kirchenmauer auf gestellt und der Schreyge-Stein bei dieser Gelegenheit an eine Stelle ins damalige Walltor gesetzt, wo er mehr zur Geltung kam und auch geschützt stand.

Erstuermung-1420

Erstuermung-1420

Die Inschrift war schon immer schwer zu lesen; deshalb wurde schon 1914 von der Baudepution oberhalb des Steines eine Holztafel rnit Wiedergabe der Inschrift angebracht.

Dr. F. G. Buck berichtet in seinem Werk: "Die Hamburgischen Alterthümer", 1859, über den Stein (also zu einer Zeit, als die Inschrift auf demselben noch nicht genau festgestellt war): ...Als der Stein auf dem Kirchhof wieder aufgestellt war, fragten Bergedörfer Bürger, wer nun Eigentümer des Grabmals sei, ob das beiderstädtische Amt, ob die Stadt, welche die Aufstellung veranlaßte oder die Kirche, auf derem Grund und Boden der Stein gefunden und nun aufgestellt sei? "Och wat", soll Bürgermeister Hinsche geantwortet haben, "de Steen hört de Geschichte!"

Dr. Lappenberg, damaliger Leiter des hamburgischen Staatsarchivs, schrieb 1866 über diesen Stein: "In dem dort (in Bergedorf) vorhandenen alten Grab-Stein mit dem Crucifixe besitzen wir ein Denkmal aus der Zeit der Erstürmung Bergedorfs durch die Hamburger dessen Deutung erst durch die neuerdings zur Geltung gebrachten hamburgischen Chroniken möglich wurde..."Die Inschrift beiderseits des kunstlosen Kruzifixes, lautet:

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Erstuermung-1420

sog. Schreyge-Stein (hier als Kopie)

 

In den letzten Kriegstagen 1945 sollte der historische Stein noch sichergestellt werden. Der morsche Stein zerbrech aber bei der Abnahme von der Wand. Die Bruchstücke wurden durch Emst Maack, dem damaligen Leiter der BBV-Heimatsammlung, sichergestellt. Nach 1950 wurden die Bruchstücke auf Anraten der Hamburger Denkmalpflege ans Museum für Hamburgische Geschidhte gegeben; dort wurden die einzelnen Teile vorbildlich zusammengefügt. So steht der Originalstein seit der Zeit im Museum am Holstenwall neben anderen Erinnerungsstücken an die Hansezeit. Unser Schreyge-Stein ist ein Abguß, der in jeder Hinsicht dem Original gleicht, und steht nun im Bergedorfer Schlosshof; eine Informationstafel weist auf seine Geschichte hin.

Mit der Dietrich-Schreyge-Straße, die von der Vierlandenstraße abzweigt, wird die Erinnerung an den hamburgischen Unterführer, der unter Hamburger Bürgermeister Hoyer beim Sturm auf das Bergedorfer Schloss am 16. Juli 1420 fiel, wachgehalten.

Text: Ludwig Uphoff, aktualisiert